Zu meiner Schulzeit war es der Taschenrechner. Später kamen Entwicklungsumgebungen und computergestützte Mathematik dazu. Die Frage war ähnlich: Muss ich das noch selbst können, wenn es ein Werkzeug für mich erledigt?
Daneben gab es die Empfehlungen für die Karriere: Fremdsprachen lernen, ins Ausland gehen, etwas Technisches studieren. Am besten Informatik.
Das waren keine schlechten Ratschläge. Aber heute würde ich zögern, einem Schüler damit eine sichere berufliche Zukunft zu versprechen.
Der Babelfisch lässt grüßen
In Per Anhalter durch die Galaxis erledigt ein kleiner Fisch im Ohr die Übersetzung. Heute gibt es dafür Google Translate und KI. Kein vollwertiger Babelfisch, aber ohne Tierhaltung.
Sprachenlernen wird dadurch nicht sinnlos. Nur ist „Du brauchst diese Sprache für deinen Beruf“ eine andere Begründung als „Du möchtest dich selbst mit Menschen unterhalten können“.
Für den beruflichen Nutzen einer technischen Übersetzung muss sie nicht perfekt sein. Entscheidend ist, ob sie für die jeweilige Aufgabe ausreicht.
Ähnlich würde ich inzwischen auf Programmierkenntnisse schauen. Ich halte sie weiterhin für sinnvoll. Aber was genau sollte jemand lernen, wenn KI einen Teil der Arbeit erledigen kann? Und wie viel selbst machen, um sie später beurteilen zu können?
„Dann prüfst du eben die Ergebnisse“
Dieses „eben“ stört mich.
Wenn KI ein Programm schreibt und es beim ersten Versuch funktioniert, weiß ich noch wenig über seine Qualität. Was passiert bei fehlerhaften Eingaben? Kann ein zweiter Durchlauf Daten doppelt verarbeiten? Werden Fehler überhaupt gemeldet?
Um solche Dinge zu prüfen, brauche ich eigenes Verständnis. Das entsteht nicht automatisch dadurch, dass ich mir Code generieren lasse.
Deshalb würde ich weiterhin selbst programmieren lernen. Eine Übungsaufgabe muss nicht möglichst schnell fertig werden. An einem Fehler hängen zu bleiben und seine Ursache zu finden, kann gerade der wichtige Teil sein.
Das betrifft auch den Berufseinstieg. Wenn Unternehmen solche Aufgaben automatisieren, müssen sie überlegen, wie Anfänger künftig Erfahrung sammeln sollen. Nur erfahrene Leute einzustellen, löst das Problem höchstens für das einzelne Unternehmen.
Ein Gebiet, in dem ich selbst denken will
Ich vermute, dass wir künftig bewusster auswählen werden, womit wir uns selbst gründlich beschäftigen. Bei vielen Aufgaben werde ich Unterstützung nutzen und nicht jede Einzelheit verstehen wollen. Aber ich möchte ein Gebiet haben, in dem ich mich auf mein eigenes Urteil verlassen kann.
Dort will ich besonders gut sein, auch ohne KI. Aufgaben selbst lösen, Zusammenhänge verstehen und merken, wenn eine Antwort zwar plausibel klingt, aber nicht stimmt.
KI würde ich dort trotzdem einsetzen. Ich möchte nur nicht darauf angewiesen sein, sie nach der Qualität ihrer eigenen Antwort zu fragen. Wenn sie etwas anderes vorschlägt als ich, will ich den Unterschied nachvollziehen können.
Das wäre auch mein Rat an jemanden, der heute noch zur Schule geht: Such dir ein Gebiet, in dem du selbst denken und entscheiden können möchtest. Lerne es gründlich und nutze KI dabei, ohne dir sämtliche Denkarbeit abnehmen zu lassen.
Das schützt nicht garantiert vor dem Verlust eines Arbeitsplatzes. Einen solchen Schutz würde ich weder für Informatik noch für irgendeinen anderen Bildungsweg versprechen.
Aber es wäre für mich ein guter Grund, Zeit ins Lernen zu investieren: Ich möchte bei etwas, das mir wichtig ist, selbst mitreden können.