Ich wurde gefragt, welche Open-Weight- und Open-Source-Modelle ich bevorzuge. Die Antwort fällt zweigeteilt aus: Mistral und Apertus sind mir besonders sympathisch. Im Alltag gehören aber Qwen3.8-27B, Gemma 4 26B und GLM-5.3-Flash zu meinen Favoriten.
Sympathie ist nicht dasselbe wie Leistung
Mistral und Apertus zeigen, dass Europa selbst KI-Modelle entwickeln kann. Bei Apertus gefällt mir besonders der Anspruch, nicht nur die Gewichte zu veröffentlichen, sondern auch den Entwicklungsprozess offenzulegen. Mistrals frei verfügbare Modelle sind dagegen zunächst Open-Weight-Modelle. Diese Unterscheidung ist mir wichtig.
Denn Offenheit bedeutet für mich mehr, als ein fertiges Modell herunterladen zu dürfen. Ich möchte nachvollziehen können, wie es gebaut wurde, welche Daten verwendet wurden und welche Entscheidungen im Training gefallen sind.
Dahinter steckt auch meine Skepsis gegenüber der „Secret Sauce". Ich glaube nicht, dass einzelne Anbieter über eine magische Zutat verfügen, die niemand sonst herstellen kann. Das heißt nicht, dass die Arbeit einfach wäre. Aber Projekte wie Apertus machen zumindest wesentliche Teile davon öffentlich und nachvollziehbar.
Im Einsatz gewinnen trotzdem oft die anderen
So gerne ich diese Ansätze unterstütze: Bei meinen praktischen Favoriten landen derzeit häufig Qwen, Gemma und GLM vorne. Nach meinem Eindruck hängen sie die konsequenter offenen Modelle in den Aufgaben, die mir wichtig sind, oft ab.
Das finde ich schade. Natürlich sind auch „nur" offene Gewichte viel wert. Ich kann damit arbeiten, ohne vollständig von einer geschlossenen API abhängig zu sein. Trotzdem würde ich lieber ein Modell nutzen, das mich technisch überzeugt und dessen Entstehung möglichst weit offengelegt ist.
Bei Mistral bin ich etwas hin- und hergerissen
Mistrals stärkere Ausrichtung auf Unternehmenskunden und individuelle Implementierung verstehe ich wirtschaftlich. Persönlich interessiert mich die Modellentwicklung aber mehr als das Beratungsgeschäft. Ich hoffe deshalb, dass die Arbeit an offenen Modellen nicht zur Nebensache wird.
Ein vollständiger Abschied davon ist bislang nicht zu erkennen: Mit Mistral Large 4 hat das Unternehmen Anfang Oktober erneut ein großes Open-Weight-Modell veröffentlicht.
Auf den nächsten Überraschungskandidaten hätte ich Lust
Meine Favoriten müssen nicht meine Favoriten bleiben. Ich würde mich freuen, wenn ein bisher unbekannter Anbieter aus dem Stealth-Modus kommt und mit einem neuen Open-Weight-Modell das Feld aufmischt.
Gerne aus Europa. Aber ich würde es nicht wegen seiner Herkunft nutzen, sondern weil es gut ist. Und wenn neben den Gewichten auch der Entwicklungsprozess offenliegt, umso besser.