Adobe-Ersatz für Menschen, MCP-Server für Agenten

2026-10-08

ArtCraft baut sieben kostenlose Kreativ-Apps von Grund auf in Rust: PhotoCraft für Bildbearbeitung, VectorCraft für Illustration, FilmCraft für Videoschnitt, LightCraft für Fotoverwaltung und RAW-Entwicklung, dazu PdfCraft, EffectCraft und DesignCraft. Kein Electron, Dateien bleiben lokal, Motivauswahl läuft auf dem Gerät. Die frühe PhotoCraft-Alpha öffnet PSD-Dateien und trägt auf der Projektseite das Badge „Installers ready“.

Die naheliegende Lesart ist ein Angriff auf Adobe. Sieben Programme, die Position für Position Photoshop, Illustrator, Lightroom und Co. nachbauen, kostenlos, ohne Registrierung, als native Apps und im Browser. Wer das liest, fragt sich, ob hier der Kampf angesagt wurde.

Ich bin beim Lesen der Featureliste an einem anderen Detail hängen geblieben. Für Automatisierung sollen alle Programme zusätzlich über Kommandozeile, JSON-Schnittstellen und MCP ansprechbar sein. Die Anwendungen werden damit explizit für die Steuerung durch Skripte und KI-Agenten gebaut. Affinity geht diesen Weg schon, dort nutzt Claude die Apps über MCP.

Das ändert für mich die Nachricht. Die meisten sehen in ArtCraft einen Ersatz für ein Abo. Ich sehe native Photoshop-, Illustrator- und Lightroom-Klasse, die auch als MCP-Server auftreten kann. Plötzlich sind menschliche Workflows agentic machbar: Stapelverarbeitung von RAW-Entwicklung, Export-Varianten aus PSD-Vorlagen, PDF-Aufbereitung fürs Druckzentrum. Der Agent ruft die Werkzeuge auf, wie er heute Shell-Befehle und meine n8n-Workflows aufruft. Und weil die Dateien lokal bleiben, läuft das dort, wo die Daten ohnehin liegen.

Die GUI ist in dieser Lesart die Fallback-Oberfläche für Menschen. Die programmierbare Oberfläche ist das Produkt.

Dann noch eine Beobachtung, über die ich lachen musste. Bei meinem ersten Besuch auf der Projektseite stand, der Installer werde bald verfügbar sein. Zwei Tage später trägt PhotoCraft auf derselben Seite das Badge „Installers ready“, und auf GitHub liegen Repositories für WordCraft, GridCraft, DeckCraft und CadCraft. Die Beschreibungen: eine Clean-Room-Reimplementierung von Microsoft Word, ein Excel-artiges Spreadsheet, ein PowerPoint-Klon für Folien und ein AutoCAD-artiges CAD, alles in pure Rust. Dazu kommt SoundCraft, ein Pro-Tools-Klon. Sieben Kreativ-Apps gegen Adobe sind offenbar nur der Auftakt.

So oder so bleibt ein Eindruck hängen: Diese Leute haben eine Pipeline gebaut, mit der sich beliebige Anwendungen nachbauen lassen. Das eigentliche Asset ist dann nicht PhotoCraft. Es ist die Maschine, die Craft-Apps samt Agenten-Schnittstelle produziert.

Sobald eine der Craft-Apps erste Werkzeuge für Agenten freigibt, schaue ich zuerst nach dem MCP-Endpoint und nicht nach der Menüleiste.

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